Predigt: Was soll denn dieser Predigttext zur Taufe?

Nee, also das geht ja irgendwie gar nicht, dieser Text. Was soll der denn bitteschön am Taufsonntag? Hier geht‘s doch gar nicht um die Taufe. Hier geht‘s um den Bund Gottes mit Israel. Ehrlich, an manchen Stellen frage ich mich, was sich die Perikopenkommission so gedacht hat, als sie die neuen Predigttexte rausgesucht haben. Ich werd mich jetzt da mal beschweren. Kleinen Moment bitte. Ich ruf da jetzt mal an.

Hallo, ist da die Perikopenkommission? Hier ist Pfarrer Kuschel aus Schweinfurt. Ich stehe hier grade auf der Kanzel in St. Salvator. Ja, Frau Müller, hallo, entschuldigen Sie, dass ich Sie am Sonntagmorgen störe, aber ich frage mich wirklich, was Sie sich dabei gedacht haben, dass Sie den heutigen Predigttext auf den Tauferinnerungssonntag gelegt haben. OK, er ist eigentlich viel zu schade, um so ein Schattendasein zu führen wie bisher. Da war er am Israelsonntag einer von diesen sogenannten „weiteren Texten“. Aber zur Taufe? Entschuldigung, darum geht‘s doch hier gar nicht!

Ansprache beim MehrWegGottesdienst am 9.10.: Wohl wollen
Heiko Kuschel 9. Oktober 2016 - 11:00

 

 

Wohl wollen.

Pinguin sein.

Genau wissen, was gut ist.

Und dann zögern.

Zurückschrecken.

Gar nichts tun.

Rumstehen.

Ratlos sein.

Noch ein Versuch.

Wohl wollen.

Pinguin sein.

Ach, es gäbe so vieles anzupacken, so vieles.

Die Welt nur ein kleines bisschen schöner machen.

Ansprache beim MehrWegGottesdienst am 12.6.2016: Kompliment!
Heiko Kuschel 12. Juni 2016 - 22:28

Liebe Gemeinde!

Super! Sie sehen heute richtig klasse aus. Es ist so toll, dass Sie gekommen sind. Was wären wir nur ohne Sie? Sie haben jetzt schon so toll mitgesungen, mitgemacht. Ein Gottesdienst ohne Gemeinde wäre ja schließlich überhaupt nichts. Und die schönen Beiträge in der Mehrwegphase! Da haben Sie sich richtig viele Gedanken gemacht. Nachher werden wir noch einige der Fürbitten vorlesen, aber eigentlich wären sie alle miteinander geeignet, vorgelesen zu werden. Schade, dass es einfach zu viele sind. Ich bin richtig stolz darauf, Teil dieser Gottesdienstgemeinde zu sein.

OK, merken Sie was? Wie geht’s Ihnen mit dieser Lobhudelei? Bisschen viel auf einmal, oder?

Wagenkirche: Repair Café

Wagenkirche am 17.4.2015

Test. Test. Dieses blöde Mikrofon. Jetzt ist das Ding schon wieder kaputt.

Wir hatten die Anlage doch erst eingeschickt zum Reparieren!

Ich glaub, wir brauchen doch mal eine neue. Schmeiß das Ding auf den Müll! Das nervt mich nur noch.

Also, besonders nachhaltig und umweltfreundlich ist das aber nicht, wenn wir unsere Verstärkeranlage gleich bei den ersten Problemen wegschmeißen. Und eine neue kostet ja auch einen Haufen Geld.

Logo Repair CaféJa, natürlich, da hast du Recht. Da reden wir immer von verantwortungsvollem Umgang mit den Ressourcen unserer Welt – und kaum ist mal was kaputt, zack, weg damit.

Ich hätte eine bessere Idee. Lass uns die Anlage doch morgen mal zum Repair Café bringen.

Wagenkirche: Abgestürzt: Die Mitmenschlichkeit

Wagenkirche am 27.3.2015

So, endlich ist die Wagenkirche wieder unterwegs. Hat mir schon gefehlt, jetzt in der Winterpause.

Ja, das stimmt! Allerdings wäre ich doch gerne mit einem fröhlicheren Thema wieder eingestiegen als das, was heute alle beschäftigt.

Ja, das stimmt. Dieser Flugzeugabsturz und alles, was da drumherum nun bekannt wird, das ist einfach nur grauenvoll. Unvorstellbar.

Wagenkirche: fröhliches Fasten!

(Heiko verteilt Ostereier)

He, sag mal, Heiko, bist du nicht viel zu früh dran?

Wieso? Schokolade kann man nie genug haben. Macht glücklich, hab ich mir sagen lassen.

Aber es ist doch noch gar nicht Ostern!

Ähm – stimmt. Da hast du natürlich Recht. Heute in einer Woche ist erst mal Karfreitag.

Eben. Und dann kommt erst das Osterfest!

Ja. Und ganz viele verzichten ja jetzt in der Fastenzeit auf irgend etwas. Zum Beispiel auf Schokolade. Ich ja auch. Aber trotzdem finde ich das nicht so schlimm, wenn wir heute schon Schoko-Ostereier verteilen.

Das verstehe ich nicht. Auf der einen Seite sagst du, wir sind in der Fastenzeit, und dann verteilst du Ostereier?

Ja! Denn auch die Fastenzeit soll ja nicht eine Zeit sein, in der wir nur griesgrämig in die Gegend schauen. Ich finde: Uns Christen sollte man daran erkennen, dass wir fröhlich und erlöst wirken. Und Fasten – das ist dann nicht „ach, mir geht's sooo schlecht, weil ich jetzt keine Schokolade essen kann oder keinen Kaffee trinken kann“ oder sonstwas. Sondern das ist: „Mir geht's gut. Denn ich merke: Ich bin von diesen Dingen nicht abhängig. Ich kann auch mal eine Weile ohne auskommen.“

Ein fröhliches Fasten sozusagen? 

Natürlich ist die Fastenzeit auch eine Zeit des Nachdenkens, der ernsten Gedanken und oft auch der Trauer. Aber wir wissen doch, was am Ende steht. An Ostern feiern wir, dass Jesus auferstanden ist!

Bis dahin ist es noch gut eine Woche. Wir wünschen Ihnen, wenn Sie fasten, dass sie es nicht als Einengung empfinden, sondern als etwas Befreiendes. Und dann wünschen wir Ihnen ein wirklich frohes Osterfest!

Mehr Fehlertoleranz!

Vor vielen Jahren, ich war noch Student, ging ich irgendwo in Deutschland zu einem Arzt. Über meine Eltern war ich damals privat krankenversichert. Der Arzt erzählte mir, er unterstütze mit allen Honoraren, die von Privatpatienten kämen, eine wirklich wichtige soziale Einrichtung, und fragte mich, ob er nicht ein wenig mehr aufschreiben könne, die Kasse zahle es ja. Ich war ein wenig überrumpelt und sagte erst mal ja.

Wagenkirche: Gott mag braune Lebkuchen

 

Lebkuchen verteilen an die Leute

Ja, so langsam können wir wieder anfangen, das ohne schlechtes Gewissen zu essen. Im August regen sich alle drüber auf, wenn die Lebkuchen im Geschäft stehen, aber jetzt, finde ich, dürfen wir das schon. Auch wenn's noch ein bisschen hin ist bis zum 1. Advent.

Ich mag die auch total gern. Vor allem die mit Schoko.

Ach wie klasse, ich mag die weißen viel lieber. Können wir uns ja zusammentun.

Nur die armen braunen, die bleiben immer übrig.

Gott sagt Ja

Predigt am 4. Sonntag im Advent 2011
18.12.2011, Schonungen

Text: 2. Kor 1, 18-22 Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe. Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Liebe Gemeinde!

Ehrlich gesagt, diesen Predigttext musste ich zweimal lesen, bis ich verstanden hatte, was Paulus uns hier sagen möchte. Was war das mit „Ja“ und „Nein“? Wer sagt jetzt Ja, wer sagt Nein? Bei genauerem Hinsehen wurde es aber schnell ziemlich klar – und ich habe mich über diesen Text für heute sehr gefreut. Ich lese ihn nochmal vor und lasse ein paar nicht so zentrale Sätze weg.

Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.

Es geht also um eine ganz einfache und doch ganz elementare Frage:
Wie steht Gott zu uns?

Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte dazu erzählen. Und sicher fallen Ihnen Tausende ähnliche ein, die Sie selbst erlebthaben.

Die Schuldscheine sind beglichen.

Predigt am Karfreitag

Gochsheim, 14.4.2006; Schweinfurt-Auferstehung, 22.4.2011
Text: Hebr 9, 15. 26b-28

15 Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.
26 ...Nun aber, am Ende der Welt, ist er ein für allemal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben. 27 Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: 28 so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.

Liebe Gemeinde!

Ich habe hier einen Nachdruck einer Fünf-Pfund-Note aus Großbritannien. Ich hätte auch jeden anderen Geldschein nehmen können, auch 10 Euro. Aber auf den Pfund-Noten steht ein Text, der deutlich macht, worum es geht:

I promise to pay the bearer on demand the amount of 5 pounds.
Ich verspreche, dem Inhaber auf Verlangen den Betrag von 5 Pfund auszubezahlen.

Mag sein, dass ein Wirschaftswissenschaftler jetzt protestieren würde, aber dieser Gedanke hat mich schon auf meiner ersten England-Reise fasziniert, als ich den Satz das erste Mal gelesen habe: Ein Geldschein ist nichts anderes als ein Schuldschein des Staates. Keine Ahnung, was passieren würde, wenn ich zum Unterzeichner dieses Schuldscheins, also zum Finanzminister, hingehen würde und um Auszahlung bitten würde. In jedem Fall: Der Staat hat Schulden bei mir. So viel Schulden, wie ich Geld in meinem Geldbeutel mit mir herumtrage. 

Nun stellen Sie sich vor: Alle Menschen auf der ganzen Welt kämen darin überein, ihr gesamtes Geld zu verbrennen. Allen Schulden ein Ende zu machen. Niemand, nicht einmal der Staat, soll noch bei jemand anders in der Schuld stehen. 

Ja, natürlich: Es wäre ein großes Chaos. Vermutlich. Wer würde schon noch arbeiten gehen, ohne den Anreiz, dafür auch einen Lohn zu bekommen? Ein paar Enthusiasten, ja, aber die Mehrzahl der Menschen?

Unsere Wirtschaft könnte ohne Geld gar nicht existieren. Und trotzdem: Wäre es nicht für viele Menschen, sogar den Großteil der Menschheit, viel besser, wenn es plötzlich kein Geld mehr gäbe? Wenn auf einmal die drückenden Schulden weg wären, die auch bei uns in Deutschland auf immer mehr Haushalten lasten? Ganze Länder könnten aufatmen, wenn plötzlich ihre Schulden weg wären, deren Tilgung einen so hohen Anteil des Staatshaushaltes ausmachen, dass für das eigene Volk, für Straßenbau, Schulen, Infrastruktur, medizinische Versorgung nichts mehr übrigbleibt. Es gäbe keine Entlassungen mehr bei Betrieben, nur um den Gewinn von 3 auf 4 Milliarden im Jahr zu steigern. Die Menschen stünden wieder im Mittelpunkt, nicht das Geld. 

Was würde geschehen, wenn alle Menschen ihr gesamtes Geld verbrennen würden, Abschied nehmen würden von allen Schulden?

Es wäre eine Befreiung für viele – aber natürlich würde es so nicht funktionieren. Die Befreiung wäre nicht von langer Dauer, denn die gesamte Versorgung mit lebenswichtigen Dingen würde sehr schnell zusammenbrechen.
Neben dem Geld gibt es auch andere Schuldscheine. Solche, die nicht aus Papier sind – die eher aus Gefühlen bestehen. Ich stehe bei einem anderen in der Schuld. Ich habe Schuld auf mich geladen: Dinge, die uns belasten. Dinge, die schief gelaufen sind in meinem Leben.

Da gibt es Menschen, die nicht mehr miteinander reden. Im Streit sind sie auseinander gegangen, seitdem gehen sie sich aus dem Weg. Der andere hat Schuld, das ist doch klar.

Da sind Menschen, die sich einmal geliebt haben. Jetzt streiten sie jeden Tag miteinander, schon wegen Nichtigkeiten. Die Leidtragenden sind die Kinder. Wer hat Schuld? Einer von beiden? Sie beide? Die Menschen um sie herum, die sie mit ihren Problemen allein gelassen haben?

Da sind Menschen, die sich unnütz vorkommen. Auch die 83. Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, einen Job wurde abgelehnt. Wer hat Schuld? Sie selbst, weil sie nicht gut genug waren in ihren Zeugnissen? Die Arbeitgeber, die nicht mehr Leute einstellen wollen und es auch nicht können? Unsere ganze Gesellschaft, die so eine Situation einfach hinnimmt?

Da gibt es Menschen, die verhungern. Die Angaben schwanken zwischen 10000 und 40000 Kindern am Tag. Das ist mindestens alle 9 Sekunden eines. Wer trägt da die Schuld? Wir, die wir oft bedenkenlos konsumieren, was wir bekommen? Irgendwelche Wirtschaftsbosse? Die Regierungen der Länder?

Da bin ich selbst. Welche Schuld habe ich auf mich geladen? Wie oft bin ich einem anderen Menschen nicht liebevoll genug begegnet? Wie oft habe ich nur meinen eigenen Vorteil gesucht? Wie oft habe ich hinterm Rücken über einen anderen geredet? Wie oft habe ich die Wahrheit nur ein klitzekleines bisschen zu meinen Gunsten verdreht?
Jeder Mensch, ob er es will oder nicht, lädt Schuld auf sich. Unser Schuldschein-Portemonnaie ist gut gefüllt. Andere haben Fehler gemacht und uns verletzt. Wir haben Fehler gemacht, andere verletzt.

Manchen Menschen können wir kaum noch in die Augen schauen.

Wie wäre es, wenn alle Menschen auf der ganzen Welt auf einmal beschließen würden: Diese Schuld, alle Schuld der Welt, ist ab heute nicht mehr da? Unsere Schuldscheine werden verbrannt. Sie gelten nicht mehr.

Es wäre eine große Befreiung – aber auch eine Aufgabe. Denn noch immer sterben jeden Tag Menschen. Noch immer sind Menschen ohne Arbeit oder ohne Ausbildungsplatz. 

So einfach ist das nicht mit dem Vergeben von Schuld. Das wird nicht ohne Konsequenzen abgehen für unser eigenes Leben.

Nun aber ist Jesus ein für allemal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben.

Jesus tut genau das, wonach wir Menschen uns sehnen: Er hebt die Schuldscheine auf. Er verbrennt sie. Vor Gott sind sie nicht mehr gültig. Vor Gott können wir keine Schulden mehr haben. Sie sind alle beglichen, ein für alle mal.

Wir können die Vergebung unserer Schuld annehmen. Auch wenn wir wissen: Wir werden wieder Schuld auf uns laden. Auch der Schreiber unseres Predigttextes weiß davon. Und er schreibt: Jesus wird unsere Welt heil machen. Noch ist es nicht so weit. Aber eines Tages wird er wieder kommen. Dann wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil. Er wird heilen, was zerbrochen ist. Heil machen, was zerstört ist. Uns von unserer Schuld befreien. Die Schuldscheine endgültig verbrennen.

27 Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: 28 so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.